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Antriebsmotor für das Ehrenamt stottert

In einer Zukunftswerkstatt wurde nach Werkzeugen zur Stärkung des Ehrenamtes gesucht. Erst einmal wurde besprochen, was in der Werkzeugkiste drin ist.

Etwa 40 Teilnehmer haben gestern in der Aula der Dr.-Lothar-Kreyssig-Schule in Flöha über die Zukunft des Ehrenamtes diskutiert. Es war die erste Zukunftswerkstatt, die der Landkreis Mittelsachsen innerhalb des Bundesprogramms „Demokratie leben“ veranstaltet hat. Mit dem Programm soll zivilgesellschaftliches Engagement gefördert werden, das sich gegen demokratiefeindliche und menschenverachtende Tendenzen richtet. Etwa 200 Einladungen an Vertreter von Städten und Gemeinden sowie Vereinen und Verbänden wurden verschickt. „Wir hätten uns natürlich mehr Resonanz erhofft“, sagt die Extremismusbeauftragte des Landkreises, Katrin Dietze. Jedoch sei die erste Zukunftswerkstatt ein Start, ein erster Versuch. „Deshalb bin ich nicht unzufrieden.“

 

Dass sich die Zukunftswerkstatt mit dem Thema Ehrenamt beschäftigt hat, ist kein Zufall. „Das Ehrenamt gewinnt immer mehr an Bedeutung, vor allem auch aufgrund der demografischen Entwicklung“, sagt Landrat Matthias Damm (CDU) zur Begrüßung. Die Ehrenamtler seien die wahren Helden der Gesellschaft, so der Landrat.

 

Der Döbelner Jörg Dathe (70) zum Beispiel: stellvertretender Vorsitzender des Döbelner SV und für sein Engagement bei der Integration von Flüchtlingen durch Sport am Montag in Dresden mit dem Sächsischen Bürgerpreis ausgezeichnet. Dathe gehört zu jenen Ehrenamtlern, die die Zukunft des unentgeltlichen Engagements für die Gesellschaft skeptisch sehen. Warum, wollte der Moderator bei der Eingangsrunde wissen. „Meine Erfahrung zeigt, dass trotz vieler Angebote und Aktionen kaum etwas bleibt“, sagte er. Sobald es um die Frage gehe, Verantwortung zu übernehmen, passiere: nichts. Auch Matthias Richter, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Flöha sagte, dass ihm um die Zukunft des Ehrenamtes bange sei. Nach den Gründen befragt, nannte er das zunehmende Alter der Engagierten, die fehlende Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, und die wachsenden bürokratischen Hürden, die das Ehrenamt zum andauenden Hindernislauf machen. „Der Aufwand ist enorm“, sagte Richter. Der Augustusburger Bürgermeister Dirk Neubauer (parteilos) warnte davor, das Ehrenamt zu überfrachten. „Wir sind sehr schnell dabei, Aufgaben die wir selbst nicht schaffen, auf das Ehrenamt abzuwälzen“, sagte er und nannte die Flüchtlingshilfe. Ohne die Vielzahl an ehrenamtlichen Helfern gebe es in Augustusburg praktisch keine Betreuung der dort lebenden Flüchtlingsfamilien. „Wenn wir das Ehrenamt schätzen, müssen wir mehr dafür tun“, so Neubauer.

 

Nach gut vier Stunden Diskussion sagte der zweite Beigeordnete des Landkreises, Jörg Höllmüller, dass es eine Fortsetzung der Zukunftswerkstatt geben müsse. Das gegenseitige Kennenlernen und der Erfahrungsaustausch dürfe nicht auf soziale Netzwerke im Internet beschränkt bleiben, eine Gesprächskultur sei unverzichtbar. Auch Flöhas Oberbürgermeister Volker Holuscha (Linke) als Gastgeber zeigte sich am Abend zufrieden mit dem Auftakt der Zukunftswerkstatt und lobte den „anregenden und Frucht bringenden Erfahrungsaustausch“.

 

Quelle: Freie Presse 19.10.2016